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Die eishockeybegeisterten Anhänger in Bern hatten zuletzt viel Geduld aufbringen müssen. Sechs lange Jahre vergingen seit dem elften Meistertitel der Klubgeschichte, der seinerseits einer siebenjährigen Durststrecke ein Ende gesetzt hatte. Dazwischen gab es viele Enttäuschungen. Doch das lange Warten hatte gestern Abend ein stilvolles Ende. Eindrucksvoller hätte der SCB kaum auf den Thron zurückkehren können.
Platz 1 in der Qualifikation, diskussionslose 4:0-Erfolge in den Viertelfinals gegen ein lamentables Lugano und in den Halbfinals gegen die Kloten Flyers sowie der Gewinn der "Finalissima" gegen den Quali-Zweiten Genève-Servette - eine perfektere Saison hätte man sich in Bern kaum wünschen können.
Nicht hoch genug zu gewichten gilt es die Tatsache, dass der SCB dem grossen Druck standgehalten hat. Nach zwei für den grössten Schweizer Eishockey-Klub unterdurchschnittlichen Spielzeiten (jeweils Viertelfinal-Out) war die Erwartungshaltung in Bern riesig. Ein drittes frühes Scheitern hätte trotz prosperierender Finanzen den Druck auf die Führung um CEO Marc Lüthi und Sportchef Sven Leuenberger zusätzlich erhöht.
Trainer Larry Huras bewies, dass er nicht nur ein "Lautsprecher" und Mann für grosse Auftritte ist, sondern auch mit akribischer Arbeit ein Team formen kann. Für den Kanadier ist Bern nach den ZSC Lions und Lugano schon der dritte Verein in der Schweiz, mit dem er Meister wird. Zudem führte er zu Beginn des Millenniums den Dorfklub Ambri-Piotta zu internationalen Weihen.

Zentral für den Erfolg war der Begriff "Team", denn hervorragende Einzelspieler hatte Bern auch vorher schon. In den entscheidenden Phase gab es aber zu viele Häuptlinge und zu wenige Indianer. Huras gelang es, dass alle Mannschaftsteile homogen ineinander griffen, basierend auf einer soliden, körperbetonten Spielweise. Angefangen bei Goalie Marco Bührer, der in den wichtigen Phasen die erhoffte Stütze war, über die quantitativ wie qualitativ gut besetzte Abwehr bis hin zum schier unerschöpflichen Stürmerreservoir war der SC Bern allen Gegnern überlegen. In der finalen Phase standen in der vierten Linie sogar Superstars wie der zwischenzeitlich abgeschriebene Simon Gamache und der langzeitverletzte Christian Dubé.
Angeführt wurde das Team von den Internationalen Martin Plüss und Ivo Rüthemann sowie Verteidigungs-Organisator Travis Roche. Die grösste Überraschung bildete indes Roman Josi, dessen Höhenflug zumindest in diesem Tempo niemand hatte vorhersehen können. Es wäre schon fast eine Sensation, wenn der noch nicht 20-Jährige auch im Herbst noch in Bern spielen würde. Der Lockruf aus Nordamerika dürfte zu laut sein.
Folgt auf die zweite Durststrecke nun eine dritte? Kaum, der Klub mit dem grössten Zuschaueraufkommen Europas scheint mittlerweile gefestigt und verfügt über eine gute Mischung aus jungen und routinierten Spielern. Die Prognose sei gewagt: Auch 2011 führt der Weg zum Titel über den SC Bern.
Porträt SC Bern:
Gründungsjahr: 1931
Präsident: Walter Born
Manager/Geschäftsführer: Marc Lüthi
Sportchef: Sven Leuenberger
Bisherige Erfolge:
Kader
Tor: Marco Bührer. Olivier Gigon
Verteidigung: Kevin Fey. Philippe Furrer. Beat Gerber. Andreas Hänni. David Jobin. Roman Josi. Dominic Meier. Travis Roche. Philipp Rytz. Martin Stettler
Sturm: Pascal Berger. Alex Chatelain. Christian Dubé. Etienne Froidevaux. Simon Gamache. Roland Gerber. Lee Goren. Brett McLean. Daniel Meier. Trevor Meier. Caryl Neuenschwander. Martin Plüss. Marc Reichert. Ivo Rüthemann. Tristan Scherwey. Jean-Pierre Vigier. Thomas Ziegler
Headcoach: Larry Huras
Assistent: Hans Kossmann
Goalietrainer: Andy Jorns