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Lugano startete derart schlecht in die Saison, dass Coach John Slettvoll am letzten Freitag nach dem 2:5 daheim gegen Langnau kurzerhand einen Neustart anordnete. Es folgte ein 3:1 in Biel. Aber der HC Lugano sucht noch nach der Topform.
Unruhig wurde es in Lugano nach zwei Heimniederlagen (gegen Kloten und Langnau) und drei Niederlagen in Serie nicht. John Slettvoll lässt sich auch gut 20 Jahre nach den ersten grossen Erfolgen in Lugano von niemandem dreinreden. Geo Mantegazza, der Mäzen im Hintergrund (durch Tochter Wicky im Verwaltungsrat vertreten), glaubt weiter fest an Slettvolls Künste, die ihm im Sottoceneri einst den Übernamen "Magier" eingetragen haben.

"Ja, man kann sicher sagen, dass unser Saisonstart nicht gut war. Aber war alles schlecht?", fragt John Slettvoll und liefert die Antwort gleich nach. "Natürlich nicht. Die Vorbereitung verlief gut. Im Heimspiel gegen Langnau gelang nichts. Aber die anderen Spiele, die wir verloren, hätten wir mit etwas mehr Glück gewinnen können." Gegen Kloten übersah ein Linienrichter beim entscheidenden 2:3 kurz vor Schluss ein Offside; in Genf verlor Lugano trotz Chancenplus in der Verlängerung 3:4.
Derweil in Lugano Slettvoll noch das volle Vertrauen geniesst, prasselt aus dem Rest der Schweiz bereits Kritik auf den Coach nieder. Das Fachmagazin "Slapshot" bezeichnete den 64-jährigen Trainer-Oldie in der Online-Kolumne als "Fred Feuerstein, der defensives Steinzeit-Hockey spielen lasse".
Für Luganos unerwartet schlechten Saisonstart gibt es Gründe. Mit Steve Hirschi (Knie) und Romano Lemm (Schulter) verletzten sich Anfang August zwei Nationalspieler. Hirschi fehlt in der Verteidigung an allen Ecken und Enden, weil sich Timo Helbling immer noch nicht als der erhoffte Leader entpuppte und Andreas Hänni völlig ausser Form kam. Romano Lemm - in Kloten Integrationsfigur und Captain - stiess erst vor zwei Wochen zur Mannschaft. Ausserdem reiste der neue Star-Ausländer Randy Robitaille spät und untrainiert in Lugano an. Hnat Domenichelli, der Neuzuzug aus Ambri, erlitt letzte Saison einen Kreuzbandriss und ist wohl früher als erwartet aufs Eis zurückgekeh
"Aus grossen Namen wird nicht automatisch sofort eine grosse Mannschaft", sagt Petteri Nummelin. Der 35-jährige Finne versuchte sich die letzten zwei Saisons ein zweites Mal erfolglos in der NHL. Mit Minnesota erreichte er 2008 zwar die Playoffs, aber Verteidiger Nummelin spielte meistens nicht. Und wenn er spielte, dann im Sturm. Nun kehrte er für drei weitere Saisons nach Lugano zurück, wo er schon von 2001 bis 2006 unter Vertrag stand. Nummelin glaubt trotz des ernüchternden Starts fest daran, dass der Hockeyklub seiner "zweiten Heimat" wieder "grande" werden kann. Nummelin: "Die Perspektiven sind vielversprechend. Wir müssen aber Schritt für Schritt nehmen. Vielleicht überbordeten einige Spieler in den ersten Partien, weil es nach der letzten Saison (in der Lugano erstmals in der Klubgeschichte die Playoffs verpasste) so viel gutzumachen gibt."
Unter übermässigem Druck steht die Mannschaft nicht. Als offizielles Ziel gab die Klubführung das Erreichen der Playoffs heraus. Tiefstapelei? Slettvoll: "Warum? Letzte Saison haben wir das nicht geschafft. Zielsetzungen kann man im Lauf einer Saison auch nach oben anpassen."rt. In Bestform ist aber auch er noch lange nicht.

Luganos Ambitionen werden mit Sicherheit in die Höhe schnellen, wenn sich das erfüllt, was Nummelin als vielversprechende Perspektiven bezeichnet. Der Lizenzschweizer Brady Murray (23), der Sohn von Trainer Andy Murray, könnte schon bald zu Lugano stossen, wenn er in der NHL die Selektion fürs Fanionteam der Los Angeles Kings nicht schafft. Murray unterzeichnete im Januar mit Lugano einen Vorvertrag über vier Jahre. Romano Lemm und Steve Hirschi werden die Mannschaft erheblich verstärken; Lemm dürfte auch in Lugano schnell zu einem Führungsspieler avancieren. Domenichelli erhält möglicherweise noch diese Saison den Schweizer Pass und würde dann das Ausländerkontingent nicht mehr belasten. Und auch Randy Robitaille, vor drei Jahren Liga-Topskorer mit den ZSC Lions, wird mit jedem zusätzlichen Training unter Slettvoll fitter.
Slettvolls Chance auf eine erfolgreiche (Schluss-)Etappe in Lugano stehen also nicht schlecht. Der Schwede muss in den nächsten Wochen lediglich beweisen, dass die Mannschaft weiter ist als vor einem Jahr unter Zanatta und Ruhnke. Nach der Heimniederlage gegen die SCL Tigers wurde genau das erstmals in Frage gestellt. Einen Neuanfang nach dem anderen im Anderthalb-Wochen-Turnus wird sich auch Slettvoll trotz Einsitz in der Technischen Kommission des HC Lugano (mit Jörg Eberle, Ruben Fontana und Sandro Bertaggia) und Fürsprache des Mäzen nicht leisten können.