
Der grosse Favorit hat es doch noch geschafft: Der SC Bern verwertete gegen Genève-Servette in der "Finalissima" den dritten Matchpuck trotz Horrorstarts mit 4:1 eindrucksvoll und machte so das Dutzend an Meistertiteln voll.
Die grosse Mehrheit der 17 131 Fans in der PostFinance-Arena konnte das Dessert in Form des Schlussdrittels kaum mehr erwarten und hätte ihre Lieblinge mit Sprechchören am liebsten schon Mitte der zweiten Drittelspause aufs Eis zurückbeordert. Und als sie dann endlich wieder da waren und schon nach 128 Sekunden durch ein Solo des jungen Pascal Berger das 4:1 erzielten, erwartete sie erst recht ein einziger Steigerungslauf zum 12. Titel der Klubgeschichte und dem erst zweiten des diesjährigen Milleniums (nach 2004).
Was folgte, war die schönste Kür für die Mannen von Larry Huras, respektive der ultimative Albtraum für die Spieler von Chris McSorley, die vom so nahe geglaubten "Schirmständer" und der ersten Trophäe für die Romandie seit 37 Jahren plötzlich wieder so weit entfernt waren. Verständlich, dass bei den Gästen der Frust durchbrach. Reto Suri musste nach einem Stockschlag mit einer Fünfminuten-Strafe vorzeitig unter die Dusche, jede der "Standing Ovations" oder "Olas" von "tout Berne" traf die Gäste wie ein Dolchstoss mitten ins Herz.
Als um 22.20 Uhr alle Dämme brachen und in der Hauptstadt die längste Nacht eingeläutet wurde, konnte endgültig auch einer der bizarrsten Ausdrücke aus dem Eishockey-Vokabular gestrichen werden. Der "Heimnachteil", den Ralph Krueger an der WM vor einem Jahr erwähnt hatte und der nun mit den SCB-Problemen der letzten Tage neues Gewicht erhielt, war endgültig kein Thema mehr. Bern hat seit Einführung der Playoffs im sechsten Anlauf den Titel erstmals auf heimischem Eis geholt, die beeindruckendste Kulisse in Europa spielte ihre Rolle als "sechster Mann" perfekt.
Starke Reaktion nach klassischem Fehlstart
Angesichts des Siegestaumels interessierte verständlicherweise niemanden mehr, dass die Berner die Partie nach den zwei letzten Niederlagen erneut auf einer negativen Note begonnen hatten. Nur gerade 80 Sekunden dauerte es, bis die erste Euphorie - die Fans hatten ihren Lieblingen schon vor Spielbeginn eine Standing Ovation zukommen lassen - verflogen war. Marek Malik schoss von der blauen Linie aus absichtlich neben das Tor, Marco Bührer konnte mit dem Stock nur ungenügend abwehren, Florian Conz profitierte per Backhand.
Die Genfer machten anschliessend zu wenig aus der Berner Verunsicherung, namentlich in einem Powerplay, das John Gobbi zweimal mit dümmlichen und missratenen Schussversuchen von der roten Linie ruinierte. Der Verteidiger aus der Leventina wurde dann endgültig zur tragischen Figur, als er einen Schuss von Etienne Froidevaux unhaltbar für Stephan zum 1:1 ablenkte (9.).
So stark sich die Berner am Donnerstag über einen doppelten Ausschluss beklagt hatten, der zum 1:1-Ausgleich führte, so zufrieden durften sie diesmal mit der Regelauslegung von Danny Kurmann/Brent Reiber sein, welche in der gleichen Aktion Frank Banham und Jonathan Mercier auf die Strafbank schickten. In den 120 Sekunden doppelter nummerischer Überzahl gelang dem SCB praktisch nichts, unmittelbar nach Ablauf der Strafe sorgte aber David Jobin mit einem millimetergenauen Hocheckschuss für die zu jenem Zeitpunkt schmeichelhafte Berner Führung (12.).
Souveränes Verwalten
Ab der 22. Minute, als ausgerechnet der ex-Genfer Jean-Pierre Vigier das 3:1 erzielte und Tobias Stephan dabei mit einem weiteren "unforced error" Pate stand (Schuss zwischen die "Hosenträger"), waren die "Mutzen" die unumschränkten Herren im Rink. Sie gestanden den zusehens müderen Genfern, denen die Ideen und die Wirbligkeit des erneut gesperrten Tony Salmelainen merklich fehlten, kaum mehr Torchancen zu und hätten ihrerseits den Vorsprung schon im zweiten Drittel weiter ausbauen können.
Trotz der Probleme, den "Sack zuzumachen", ist der SC Bern zweifelsfrei der verdiente Champion. Das Team zeigte während der ganzen Saison keine nennenswerte Schwäche und war von allem Anfang an gewillt, auf die beiden Viertelfinal-Enttäuschungen der letzten Jahre zu reagieren. Der neue Coach Larry Huras schaffte es zudem schnell, die noch fehlenden Mosaiksteine ins Gesamtbild einzufügen und holte nun mit einem homogenen Kollektiv, gespickt mit einzelnen überragenden Individualisten (Travis Roche, Roman Josi, Martin Plüss, Ivo Rüthemann), bereits mit seinem dritten Klub den Titel (nach ZSC und Lugano).
Ein Meister 1b
Chris McSorley, vom typischen kanadischen Winnerspirit beseelt, wird diese Art Trost zwar zumindest in den nächsten Tagen nicht zulassen, aber sein Team verdient für die gezeigten Leistungen zumindest einen virtuellen kleinen Schirmständer. Wie sich die Calvinstädter mit einem nominell deutlich schwächer besetzten Kader in der Qualifikation in eine optimale Position brachten (Platz 2 nur einen Punkt hinter Bern) verdient Respekt, die Playoff-Leistungen noch mehr. Der GSHC steckte nie auf, weder beim 1:3 gegen Fribourg im Viertelfinal noch beim gleichen Stand im Final und war dem Titel noch etwas näher als 2008 (2:4 im Final gegen die ZSC Lions). Genève-Servette beendet ein Championat in der 105-jährigen Klubgeschichte zum siebten Mal auf dem Ehrenplatz, Hoffnung auf eine baldige weitere Steigerung ist indes durchaus angebracht.


