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ZSC Lions sind Schweizer Meister!

Der ZSC sicherte sich in extremis im Penaltyschiessen den sechsten Titel der Klubgeschichte. Domenico Pittis markierte das Meistertor zum 1:0 und Ari Sulander liess sich in der zweiten Zusatzschicht von keinem Genfer bezwingen.

Trotz einem ZSC-Sturmlauf ohne Grenzen hielten die Genfer das 1:1 auch in der Overtime, ehe ihnen im Penaltyschiessen endgültig die Kraft ausging. Conz schoss am Tor vorbei, Topskorer Kolnik scheiterte ebenso am brillanten Sulander wie Aubin. Damit schrieb der ZSC Playoff-Geschichte. Nie zuvor seit Einführung des neuen Modus 1985 endete ein Championat mit einem Penaltykrimi.

Müde Genfer, Zürcher Angriffswellen

Phasenweise taumelten die Genfer nur noch vor Erschöpfung. Im Einbahnverkehr der Verlängerung stand ihnen der "sudden death" mehrfach bevor. Eine Angriffswelle "überflutete" das Drittel der Westschweizer. Bastl, Lachmatow, Seger vergaben der Reihe nach hochprozentige Möglichkeiten. Und auf dem Siedepunkt lenkte Suchy einen Schuss Forsters an den Pfosten.

Vor und neben Servettes Keeper Gianluca Mona entlud sich ein regelrechtes Zürcher "Chancen-Gewitter". Mit Glück und unbändigem Einsatz überstanden die Genfer Kapitäne den (An-)Sturm. Das Réduit bröckelte, zerfiel aber doch nie in seine Einzelteile, weil Gardner Sekunden vor dem Ende der Overtime auch den letzten Matchpunkt aus dem Spiel heraus vergab, als er einen Pass über die Latte lenkte. Das Schussverhältnis von 20:4 war das statistische Dokument des Zürcher "Powerplays".

Schon vor der Verlängerung und vor allem in den letzten drei "regulären" Minuten zelebrierten die Finalisten einen einzigartigen Schlagabtausch mit Chancen im 20-Sekunden-Takt. Keiner der 10 700 Zuschauer blieb sitzen. Obschon es bis dahin nur die Treffer von Law und Gardner zu sehen bekommen hatte, wurde dem Publikum ein mitreissendes Unterhaltungsprogramm mit sämtlichen eishockey-relevanten Höhepunkten serviert.

Und nach dem letzten verschossenen Penalty der Genfer brachen im Hallenstadion alle Dämme. Die Anhänger feierten ihre Helden, die Genf in der Serie nach einem 0:2-Rückstand mit vier Siegen in Folge eindrücklich niederrangen.

Gardners Beruhigung

Zur temporären Beruhigung der Zürcher Anhänger im restlos ausverkauften Hallenstadion trug Ryan Gardner bei. Der baumlange Flügel reagierte nach einem von Forster erzwungenen Abpraller Monas schneller als alle Genfer und traf im sechsten Finalspiel erstmals wieder. Das 1:1 stand selbst nach dem überflüssigen Video-Studium des Referees, das Genfs Coach McSorley provokativ veranlasst hatte, nicht mehr zur Debatte.

Nun waren die Verhältnisse auch resultatmässig wieder ausgeglichen. Der Spielstand passte exakt zu dieser umkämpften Serie. Kaum ein Akteur bewegte sich bis zur Spielmitte nicht auf Augenhöhe seines Kontrahenten. Auch im sechsten Final-Akt schenkten sich die beiden Teams nicht einmal einen Augenkontakt. Um jeden Quadratzentimeter der Eisfläche wurde gerungen. Vor allem die Genfer Verteidiger überliessen nichts dem Zufall und entschieden sich im Zweifelsfall für den destruktiven Befreiungsschlag.

Die Servettiens schirmten ihren Goalie lange gut ab. Im Slot herrschte kein Durchgangsverkehr, sondern mehrheitlich das Faustrecht. In dieser Sparte profilierte sich der französische "Feuerkopf" Laurent Meunier an vorderster Front. Erst als die Kräfte schwanden und die Lions in der Schlussphase mit beeindruckender Vehemenz dem 2:1 entgegen stürmten, rückte Gianluca Mona vermehrt in den Brennpunkt. Gardners Schluss blockierte er souverän, Blindenbachers Solo stoppte Mona mit Glück. Bei einer weiteren erstklassigen Szene von Gardner (41.) bewahrte der Pfosten Genf vor der Rücklage.

Alstons Ausschluss

Speziell war bereits der Auftakt verlaufen. Nach 74 Sekunden entlud sich die Anspannung ein erstes Mal. In unmittelbarer Nähe des Bullypunkts bekämpften sich der Genfer Verteidiger Höhener und ZSC-Stürmer Jan Alston. Der Zürcher traf seinen Gegenspieler dabei im Gesicht, worauf er von Schiedsrichter Kurmann ohne Zögern mit einem Restausschluss bestraft wurde. Für die Lions wog der frühe Fauxpas doppelt. Während fünf Minuten wehrten sie sich vergeblich gegen den Fehlstart und verloren überdies ihren besten Playoff-Skorer.

Der Rückschlag zur Unzeit hinterliess beim ZSC im ersten Drittel tiefe Spuren. Lachmatows Break in der 5. Minute in Unterzahl war die beste Szene. Alstons Out folgten diverse personelle Rochaden. Alexej Krutow, in den letzten Partien eine treibende Kraft im dritten Block, rückte in die zweite Formation vor; Bastl ersetzte den Russen und Kim Lindemann, der Dauerreservist, griff unverhofft ins hektische Geschehen ein.

Verspätete Zürcher Rückkehr

Spätestens in den ersten Minuten des Mittelabschnitts deuteten die Lions aber an, dass sie sich auf die notgedrungenen Umstellungen eingestellt hatten. Mit ihrem Vorwärtsdrang und ihrer Wucht zwangen sie die Gäste immer wieder zu unerlaubten Interventionen und Steilpässen ins Niemandsland. Den Ausgleich Gardners (27.) vermochten die zurückgedrängten "Grenats" nur aufzuschieben.

Obschon sie mit Fortdauer der Partie mehr unter Druck gerieten, trugen die Genfer dreimal ohne Vorwarnung Gefahr und Hektik in die Zone der Zürcher - Aubin, Trachsler und Rivera standen dem zweiten Tor im letzten Drittel sehr nahe. Ein erfolgreicher Abschluss wäre zu jenem Zeitpunkt mit dem Knock-out gleichbedeutend gewesen.